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zehrer

Hiking Southwest - 230 km zu Fuß durch den Südwesten

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Der Mensch will Grenzen nicht nur dann erfahren, wenn er sie ungefragt zu erleiden hat, wenn sie ihm auferlegt werden, nein, er sucht aktiv nach Grenzen, will sich an ihnen erproben und bewähren, versucht sie zu überschreiten, hinauszuschieben [Reinhold Messner]. Mit zunehmendem Alter jedoch, wird der Sicherheitsabstand zwischen Euphorie und Angst immer größer, - bei uns jedenfalls. Nennt man das Vernunft oder zu große Sorge um das eigene Leben?

Wir standen heuer mitten im Südwesten der USA manchmal an der Schwelle zu dieser Grenzerfahrung. Wir haben uns nicht immer überwunden, sondern auch einen Rückzieher gemacht, wenn nach Stunden des Weges der Canyon noch 50 Meter senkrecht unter uns lag und nur die Überschreitung eines 30 cm breiten Absatzes den Weg zum Ziel freigemacht hätte. Natürlich fanden im Nachhinein endlose Diskussionen darüber statt, ob es das Risiko nicht doch wert gewesen wäre. Es ist müßig, - aber wir haben trotzdem Ziele erreicht, die dem ein oder anderen für immer verschlossen sein werden.

bild_usa2011_01.jpg

Jetzt wird so mancher Leser denken, was das mit dem Südwesten der USA zu tun hat. Gibt es da nicht San Francisco, Las Vegas und verschiedene Viewpoints in der einzigartigen Natur, die gefahr- und fast aufwandslos bewundert werden können? Ja, keine Frage. Auch für uns waren und sind das immer wieder Ziele, die wir mit Freude ansteuern. Aber nach all den Jahren wird es zunehmend komplizierter und aufwändiger neue Highlights zu erreichen. Das bedeutet: Meilenweite Offroad-Fahrten zu den Trailheads, stundenlange Wanderungen zu aussergewöhnlichen Zielen, also hiken bis die Schuhe qualmen und Schweiß und Blut [im wahrsten Sinne des Wortes] in Strömen fliesen.

bild_usa2011_02.jpg

Hiking Southwest, der naheliegendste Titel der USA-Story 2011. Das GPS hat 144,03 Wandermeilen, das entspricht über 230 Kilometer, aufgezeichnet. Schon stramm! Wir werden fünf Wochen lang Indianerheiligtümer erobern, uns durch die Fangarme des Nautilus winden, den Arch Canyon endlich bezwingen und einen neuen Bryce Canyon enddecken. Also wandert mit, im einzigartigen Südwesten der USA.

Fortsetzung folgt ... Ein bisschen müsst Ihr noch warten, denn zuerst werden die Bilder und die Wanderungen sukzessive online gestellt. Den Fortschritt könnt Ihr gut über die "Updates" verfolgen!

>>>>>>>>>>>>>>>>> Hier geht es lang!

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Guest Flo

man sieht dir die 230km an der hautfarbe an ;)

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Bilder online

So, die Bilder sind jetzt mal online und wie gesagt ist es effizient, wenn Ihr über das Menü zu den Updates geht. Wenn es Euch überhaupt interessiert. Im Detail:

Pillars of Hercules

Fire Wave aka. Rainbow Wave

Tuba Blues

Tuba Arch

Eggshell Arch

Nautilus

Edmaiers Secret

Stud Horse Point

89 Bryce

Volcano [Red Breaks]

Little Death Hollow

Little Death Hollow Arch

Little White Arch

Hells Backbone Road

Big Arrowhead Arch

Ducket Arch

Fry Canyon Arch

Recapture Pocket

The Grotto

Angel Arch [Arch Canyon]

Cathedral Arch [Arch Canyon]

San Rafael Reef

Tank Window

Sipapu Natural Bridge

Owachomo Natural Bridge

Kachina Natural Bridge

Horsecollar Ruin Arch

Delicate Arch II

Covert Arch

La Boca Arch

Crown Arch

Porthole Arch

Tubloc Arch

Two Feathers Arch

Monument Rocks

Monument Rocks Arch

Mee Canyon Trail Arch

Eagle's Eye

Window Rock [Picketwire Canyon]

Picture Window

Little Picketwire Arch

Dinosaur Tracks [Picketwire Canyon]

Window Rock Lemitas

Santa Fé

Camel Rock

De-na-zin

Snake Bridge

Boundery Butte Arch

Royal Arch [Arizona]

Ship Rock Arch Cluster

Ship Rock

Cleopatra's Needle

Gallup Hoodoos

Hope Arch [update]

Pinedale Hoodoos

Venus Needle

Window Rock [at Window Rock]

Willow Valley Arch

Tonto Natural Bridge

Pumkin Patch

Whitley Bridge

San Roque Arch

Skull Rock Arch

Matterhorn Arch

Lost Horse Mine

Candle Arch

Arch Rock [Joshua Tree]

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Dienstag

Endlich ist es wieder soweit. Die monatelangen Planungen sind abgeschlossen und der DIN-A4-Ordner ist erneut proppenvoll. Karten, Beschreibungen und Bilder, fein säuberlich geordnet, warten auf ihren Praxiseinsatz. Das inzwischen unverzichtbare elektronische Equipment hat unvorstellbare Ausmaße angenommen, so dass im Handgepäck mehr oder weniger nur noch zwei Bücher Platz finden. Fast hilflos würden wir vor und in den Canyons stehen, wenn die GPS'e ihren Dienst quittierten.

Die Lufthansa verlangt 40 Euro für den zusätzlichen Koffer. Ein verträglicher Preis, aber wie lange noch? Und mit 23 Kilo pro Nase ist es für fünf Wochen kaum zu schaffen. Wir wollen ja nicht Zeit vor einer Waschmaschine verschwenden. Im Dallmayr noch ein kleiner Leberkäs', wir Bayern sind aber auch heimatverbunden, und dann ab in die Sicherheitskontrollen. Volles Programm sozusagen, - so gründlich waren sie selten. Aber mein Feuerzeug interessiert erneut niemanden. Auch gut. Aber im Koffer wäre Ersatz gewesen.

Elfeinhalb Stunden eingepfercht in der Holzklasse; ich hasse es! An schlafen ist im Sitzen nicht zu denken und als wir nordamerikanisches Festland erreichen, mutieren meine Füße zu leblosen Anhängseln. Nur im Stehen läßt sich der restliche Flug ertragen. Gruppenbildung im Flieger ist nicht mehr erlaubt, wie wenn Terroristen sich vorher noch zu einem Arbeitkreis treffen würden. Ich denke kurz an die Italiener, die diese Regel nie durchhalten würden. Na ja, ich unterstütze alle Maßnahmen, die das Fliegen sicherer machen. Und mit den umliegenden, respektive sitzenden Zeitgenossen würde ich eh keine Gruppe bilden wollen. Ab und zu riecht es etwas streng nach dem Essen. Saubären!

18.30 Uhr Ortszeit; herzlich willkommen in Los Angeles. Ohne das grüne Formular und nur mit der Zollerklärung bewaffnet, stürmen wir die Einreise. Verlangt der doch tatsächlich eine Kopie des ESTA-Antrages; gut, dass ich ihn noch ausgedruckt habe. Und dann die Koffer. Der Gepäckwagen geht in die Knie und ich feue mich, dass endlich etwas Schweiß aus den Poren kommt. In Windeseile durch die Zoll-Kontrolle und dann nichts wie raus in die frische Luft. Die erste Zigarette auf us-amerikanischem Boden relativiert diese Frische. So soll es sein, der Urlaub hat begonnen!

Bei Hertz ging es recht zügig, aber es ist, da es keine Choice-Line gibt, doch immer ein klein wenig spannend, welches Auto man zugeteilt bekommt. Als wir auf dem Parkplatz sind, donnern die Jets direkt über unseren nagelneuen - zwei Meilen waren drauf - Mitsubishi Endeavor. Allrad, gute Bodenfreiheit, natürlich nagelneue Reifen, was will man mehr. Während einer weiteren Zigarette wird das Auto-GPS angeworfen und es führt uns nach nur 11 Meilen Fahrt zum Hotel. Das Double Tree in Santa Monica ist zwar schon etwas betagt, aber die Suite ist geräumig, zwei große Betten warten auf unsere, inzwischen doch sehr mitgenommen Körper und viele Handtücher beseitigen die Spuren der Dusche.

usa_2011_04.jpg

Zum Abschluß noch ein Bier an der Hotelbar. Das Radler, in Amerika heißt es "Shanty", und das Heinicken zischten nur so. Wenn man sich nach einem so langen Flug in das Bett legt, ist das wie im Paradies!

Fortsetzung folgt ... Ein bisschen wird sich die Bearbeitung verzögern, denn - nachdem die Bilder online sind - werden die Wanderungen vorrangig bearbeitet. Den Fortschritt könnt Ihr gut über die "Updates" verfolgen!

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Mittwoch

Das Paradies entfleucht kurz nach 4 Uhr Ortszeit und die Kaffeemaschine gurgelt als Begleitmusik zum Zähneputzen. Um 5.20 Uhr sitzen wir im Auto, das der Valet-Parker gleich mal mit einer Schramme markiert hat. So ein Depp, er hat's am Trinkgeld gemerkt.

Als wir kurz vor 6 Uhr schon einige Meilen auf der 101er hinter uns gebracht haben, geht über Kalifornien die Sonne auf. Die Temperaturen sind noch angenehm und es verspricht ein toller Tag zu werden. Erst als wir die ersten Tanken passieren und die Benzinpreise bestaunen, verzerrt sich das Gesicht, - aber nur ein bißchen. In Oxnard gehört uns der Wal Mart bzw. nach der Kasse ein Megaträger Arrowhead Wasser, ein paar Eistee und Mountain Dews. Steht doch da an der Ausfahrt tatsächlich ein iHOP und obwohl ich mir nach dem Flug geschworen hatte, dass heute das Essen etwas reduziert wird, schmeckten die ersten Eier hervorragend.

Nach dieser Stärkung wartet der erste Trail im Norden Santa Barbaras auf uns. Bereits vor zwei Jahren haben wir die Wanderung zum San Roque Arch abgebrochen, weil wir uns verlaufen haben und der nasse Himmel es nicht gut mit uns meinte. Der Weg führt hinab in den Canyon, auf dem wir vereinzelte Jogger treffen. Am Bach teilt sich der Weg und wir nehmen den Arrojo Burro Trail bergauf. Kurz entlang an einer geteerten Straße verabschiedet sich der Wald und der Blick öffnet sich über die Stadt hinweg hin zum Ozean. Schön ist es hier und eine Wanderung nahe der Küste hat was. Hier oben leben Leute, die sich wohl ein wenig Kohle verdient haben. Die San Roque Ranch ist eine Nobelvilla, mit fantastischer Aussicht versteht sich. Gleich hinter der Ranch, wenn es wieder in die Wildnis geht, ist der Arch schon auszumachen, aber nur, wenn man genau weiß wo er ist. Wir keuchen erst mal weiter gen Himmel, das Jetlag im Nacken, und als das GPS die Nähe signalisiert, irren wir noch ziemlich umher, bis das Arch-geschulte Auge von Monika den Steinbogen auf der andern Seite des Canyons entdeckt. Wir schlagen uns querfeldein zu einem guten Aussichtspunkt durch. Wie gesagt, das eigentlich Highlight der Wanderung ist der Blick auf die Stadt und den Ozean. Den Steinbogen nehmen wir trotzdem und selbstverständlich gerne mit.

san_roque_arch_02.jpg

Nach 3 Stunden und 6 Meilen erreichen wir wieder unser Auto und es ist schon fast eine Zeremonie, wenn der Cooler geöffnet wird und der eiskalte Eistee den Weg in den Magen findet. Wanderstiefel aus und rein in die Flip-Flops, ist das die Krönung der Glückseeligkeit? In diesem Monment mit Sicherheit! Und es ist wieder da, unser USA-Feeling!

Nach der verdienten Dusche machen wir uns auf in die 3rd Street, trinken im Freien ein Bierchen und kurbeln die US-Wirtschaft durch ein paar Einkäufe an. Die gesamte Promenade entlang darf jetzt nicht mehr geraucht werden und so verschwinden die Süchtlinge in den Seitenstraßen. Wie die Junkies stehen sie zusammen, aber ist das nicht die Grundlage aller Kommunikation?

Das Abendessen im Ocean Seafood, Blick auf's Meer, Weinflasche zur Linken, war traumhaft. Um 20 Uhr ging nicht die Sonne unter, aber wir!

Fortsetzung folgt ... Ein bisschen wird sich die Bearbeitung verzögern, denn - nachdem die Bilder online sind - werden die Wanderungen vorrangig bearbeitet. Den Fortschritt könnt Ihr gut über die "Updates" verfolgen!

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Donnerstag

Nach achteinhalb Stunden seeligen Schlafs sitzen wir um 20 vor 6 im Auto: Heading East! Ontario, eine der vielen Vorstädte von Los Angeles beherbergt neben der Interstate 10 einen Denny's. Ei, Ei, - scrambled! Der Kaffee ist so schlecht, wie wir ihn kennen, also keine Aufregung.

Als die noch schneebedeckten San Bernadino Mountains an uns vorüber ziehen und die Wahnsinns-Stadt endlich sein Ende nimmt, steuern wir die durch die St. Andreas Falte gebildeten Hügel an. Dank der vielen Niederschläge in den vergangenen Monaten hat die Sonne es noch nicht geschafft, das Grün ganz durch Gelb oder Braun zu ersetzen. Vorbei an den Windrädern im Tal und auf den Anhöhen der Desert Cities geht es nach White Water nördlich, bis wir nach 165 Meilen den Joshua Tree Nationalpark bei Twentynine-Palms erreichen. 15 Dollar knöpfen sie uns ab. Das hat man doch irgendwann für den Grand Canyon bezahlt, oder?

Die unverwechselbare Wüstenlandschaft mit ihren kugel- und kegelförmigen Steinbrocken wird nur durch die gut geteerte Straße durch den Nationalpark unterbrochen. Mit den Flip-Flops machen wir uns auf den Weg zum Skull Rock Arch, - ist ja ganz nett. Und nachdem wir sehr gut in der Zeit liegen, entscheiden wir, einen kleineren Hike in Angriff zu nehmen. Die Geisterstädte- und Minensucher Sandra und Klaus waren unser Leitmotiv, als der Trail zur "Lost Horse Mine" in Angriff genommen wird.

Immer begleitet von Joshuas und blühenden Parry's Nolina Kakteen, führt der breite Weg sanft bergauf. Keine sportliche Herausforderung, eher ein Spaziergang. Nach knapp einer Stunde erreichen wir die Mine. Na ja, - sie ist eingezäunt, so dass man nicht mal viel sehen bzw. erkunden kann. Es ist die Landschaft, die fasziniert. Wir waren dann doch fast zwei Stunden unterwegs.

arch_rock_joshua_tree_06.jpg

Als nächstes wartet der Arch Rock auf uns, nichts neues, aber ein durchaus impossanter Arch, vom dem ich bislang nur Papierfotos hatte. Ganze Horden von Menschen sind leider schon vor Ort, da es ja sehr leicht und ohne große Schweißausbrüche erreicht werden kann. Als wir noch ein bißchen rumkraxeln, entdecken wir den Matterhorn-Arch, der in seiner ungewöhlichen Form durchaus eine Miniatur des schweizer Originals sein kann. Schön! Und nun ist's auch gut mit dem Touri-Feeling. Wir machen uns auf den Weg.

Wir verlassen den Park über die Box Canyon Road, vorbei an interessanten Felsen, bis zum Salton Sea. Hier entsteht die größte Tiefe der westlichen Hemisphäre. Voraussetzung, der See ist bis auf den Grund ausgetrocknet. Aber das wird dauern, so dass wir in unserem Leben sicher mit Badwater zufrieden sein müssen. Auch gut! Es wir plötzlich grün, wo vorher nur Stein- und Sandwüste war. Man glaubt sich in einem anderen Land, - aber das ist der Westen. Meilenweit bepflanzte Äcker, woher nehmen die nur das Wasser? Vielleicht gibt es irgendwo Entsalzungsanlagen und wir treffen uns doch wieder hier, um Fotos der tiefsten Stelle zu machen. Wer montiert nur das Schild in Badwater ab?

Als wir in den Anza Borrego State Park einfahren, wird aus der Auto- eine Achterbahnfahrt. Die Verwerfungen hier in der Gegend heben und senken die Straße wie es gerade kommt. Ist ja auch mal ganz nett. Um 16 Uhr erreichen wir die Megacity Borrego Springs. Gut, Escalante ist vermutlich größer, aber man hängt hier nicht so über den Zaun. Schuld sind die Golfplätze, die insbesondere im Winter gut frequentiert sind. Und dann tummeln sich hier die Offroader in den endlosen Gräben und Hügeln. Check-in im Borrego Springs Hotel. Die Rezeption im Haupthaus mutet an wie ein Saloon,- sieht echt cool aus. Aber das Restaurant hat bereits eine Sommerpause eingelegt. Bei über 40 Grad rentiert es sich wohl nicht, ein warmes Essen zuzubereiten. So sieht auch das Hotel aus, als wir unser Zimmer ansteuern. Wir sind zwar nicht die einzigen Gäste, aber mehr als 3 Autos habe ich nicht gesehen. Also doch eine Geisterstadt?

Pumkin Patch, ähm ja, noch nie gehört? Ich vorher auch nicht. Die Steinkürbise liegen mitten in der Wüste. Also erste Offroad-Fahrt - auf geht's! Wir fahren den Palm Canyon Drive zurück, im Ort haben sie sogar einen Kreisverkehr, bis zum Milemarker 34. Und danach geht es in den Sand. Diese Sandpiste ist eigentlich eine Wash, aber der letzte Niederschlag, der zu einem fliesenden Gewässer führte, ist wohl schon einige Zeit her. Es geht gut voran und nach 7,5 Meilen verwirrt uns unser GPS. Das Ziel ist rechts, die Wash führt nach links. Ok, wird schon irgendwann eine Biegung machen. Denkste! Also zurück, Auto parken und die Stiefel geschnürt. Die letzte Meile wird aber dank der noch immer brennenden Sonne und ob des Sandes durchaus herausfordernd. 18 Uhr: Es hat eine Brutshitze!

pumpkin_patch_07.jpg

Ja wo sind sie denn, die Kürbisse? Am Ausgang einer weiteren Wash liegen sie. Bowlingkugelgroße Steinbälle! Nichts für Fußballer. Interessant sehen sie aus, aber irgendwie haben wir uns mehr davon versprochen. Monika läßt sich zu dem Ausdruck "ganz nett" hinreißen. Ich finde sie, wie gesagt, interessant. Nett hin, interessant her, wir durchstreifen das überschaubare Gebiet bis die Sonne kurz vor dem Horizont steht. Nachts will ich nicht zurück fahren. So schaffen wir es gerade noch, den Teer bei einigermaßen Lichtverhältnissen zu erreichen.

Nächstes Problem,- wo gibt es in dem Kuhdorf noch was vernünftiges zu Kauen? Carlees ist nicht der richtige Name für dieses Lokal. Borrego Bar oder so wäre treffender Die Hiesigen sind alle da, wir mitten drin, und die Rippen sind hervorragend. Und so findet ein anstrengender Tag ein verdientes Ende.

Fortsetzung folgt ... Ein bisschen wird sich die Bearbeitung verzögern, denn - nachdem die Bilder online sind [siehe Updates!] - werden die Wanderungen vorrangig bearbeitet. Den Fortschritt könnt Ihr gut über die "Updates" verfolgen!

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Hallo Fritz,

ich lese auch sehr interessiert mit! Die Fotos hab ich mir schon angeschaut und bin gespannt auf den weiteren Bericht! :sdanke:

LG Annika

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Freitag

5.40 Uhr ist wohl jetzt unsere Zeit; los geht's Richtung Julien. Ein herrlicher Sonnenaufgang begleitet unseren Weg gen Osten. Meilenweit fahren wir alleine durch die Wüste, hier ist einfach nichts, ausser die außergewöhliche Natur. In Brawley gehört uns der Brownies Diner, leider war das Frühstück nicht so toll.

Die Imperial Sand Dunes werden von der Interstate 8 und dem Colorado jäh durchbrochen und rechts der Fahrbahn lugt der überdimensionale Grenzzaun zu Mexiko hervor. Aber wir Deutschen kennen das ja. Als wir die Ausfahrt nach Winterhaven nehmen, knallt die Sonne bereits erbarmungslos auf den Planeten. Die angenehme Kühle der Klimaanlage wird bald nur noch in den Gedanken und Wünschen latent sein und als ich auf der ungeteerten Straße nach dem Cocopah Canal die Fühler in die Luft strecke, ist mir klar, was uns erwartet. Ungeteert geht es zur Piacho State Recreation Area. Die Straße ist ganz ok und die letzten Meilen durchaus interessant, als sie durch eine Wash führt und die dunkelroten, felsigen Seitenwände immer näher an den Lack rücken. Keine Angst, es ist genug Platz, auch für den fettesten Amischlitten.

Fünf Dollar Eintritt, rechts am Trafohaus vorbei und die jetzt wirklich enge Straße entlang, bis das GPS eindeutig darauf hinweist, dass nun die Zeit für die Wanderschuhe gekommen ist. Querfeldein geht es weiter. Hoch oben stehen doch tatsächlich zwei Maultiere und beobachten uns. Bizarr sieht es aus, denn von hier unten ist kein Weg zu erkennen, der auf die durchaus beachtenswerte Anhöhe führt. Wer aber als Bayrischer Gebirgsjäger ausgebildet ist, der weiß, dass die Viecher besser klettern können, als so macher Mensch. Aber nun los.

Bereits nach 15 Minuten entdecken wir rechts oben in einer Wand den Candle Arch und als ein paar Fotos von diesem Teil her müssen, finden wir einen kleinen Pfad, der wohl von den Tieren benutzt wird. Auf alle Fälle ist es die richtig Richtung. Es geht hinunter in eine Wash, die kurz zum Slot mutiert, und wir folgen diesem, dann wieder breiter werdenden Canyon eine gute halbe Stunde. Als eine Schleife kurz vor dem Ziel sehr eng wird, vermute ich eine Abkürzung, steige kurz auf, um am anderen Ende wieder in die Wash abzusteigen. Der Wunsch war der Vater des Gedankens, denn auf der anderen Seite war nur ein 3-Meter-Absatz. Just in dem Moment, an dem wir am "Gipfel" der "Abkürzung" stehen, braust ein Hubschrauber heran. Nachdem die Border-Control nur naß geschwitzte T-Shirts und Rucksäcke entdeckt hat, und wir in keinster Weise aussehen wie Mexikaner, haben sie uns zweimal überflogen und sind dann, nachdem ich das auch getan habe, mit einem fröhlichen Winken abgezogen. This land is your land, this land is my land, from California to the Whitley Bridge ...

whitley_bridge_01.jpg

Nach einer Stunde erreichen wir die Whitley Brücke, die durchaus als gewaltig bezeichnet werden darf. Wir sind ganz alleine, das ist schön, und wir können uns auch nicht vorstellen, dass es noch andere Verrückte gibt, die bei über 40 Grad hier wandern. Wir steigen auf die Brücke und natürlich wird sie von allen Seiten auf die Speicherkarte des Fotos gebannt. Das Gebiet ist interessant und sehr schön. Die Felsen sind bunt und rauh, das sieht man selbst, wenn die Sonne senkrecht am Himmel steht. Vier schwitzige Meilen insgesamt und schon zischt der Eistee, respektive zischen die Snapples. Einen Arch hätten wir noch in petto, aber ... gut Ding will Weile haben und bis Scottsdale ist es noch ein Stück.

Zurück auf der Interstate: Bei Yuma verlassen wir Kalifornien und erreichen Arizona. Nichts Bemerkenswertes, ausser, dass das Benzin gleich um mehr als 25 Cent die Gallone billiger wird. 3,75 USD pro Gallone, in CA 4 + x. Ja, Kalifornien braucht Geld. Der Arny war das aber nicht alleine, gell!

Unser Hotel in Scottsdale wartet auf uns und es ist überraschend schön. Eine nette Hotelbar, in der wir bald sitzen, aber leider nur ein Restaurant, das wir fast gezwungenermaßen probieren. Gut war der Wein und der Salat, das andere war nur teuer. Der Clou war, dass der Ober 23 % Service-Charge auf die Rechnung gesetzt hat. Alleine der Umstand ist ja eine Frechheit, aber die Höhe ist nur noch unverschämt. Und dann war da noch eine Leerzeile für den Tip, also das Trinkgeld. Strich, Strich, manueller Gesamtbetrag inkl. 18 Prozent, - mehr gibt es nicht. Übermorgen werden wir aber dahingehend noch eine Überraschung erleben. Auf in den Kampf!

Fortsetzung folgt ... Ein bisschen wird sich die Bearbeitung verzögern, denn - nachdem die Bilder online sind [siehe Updates!] - werden die Wanderungen vorrangig bearbeitet. Den Fortschritt könnt Ihr gut über die "Updates" verfolgen!

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Samstag

Heute ist es schon 7 Uhr als wir im Auto sitzen, - ja unglaublich! Der erste Trailhead wartet, wir wollen zum Sunrise Arch. Die Sonne ist zwar schon aufgegangen, aber gut, jetzt wäre zunächst mal ein Frühstück fällig. Aber nachdem sie die Interstates in Phoenix nahezu eingemauert haben, kommt keine entsprechende Lokation in Sicht, es lugt kein verdammtes Denny-Schild darüber, als wir uns auf der 202 in Richtung Saguaro Lake bewegen. Kurz vor dem Salt River stellen wir unser Auto am sogenannten Blue Point ab und wandern los.

Wir sind angenehm überrascht, dass es deutlich sichtbare Wege gibt, die in die Richtung führen, die das GPS vorgibt. Aber die Herrlichkeit ist bald vorbei. Nachdem wir einen Berg, na ja, sagen wir mal es ist ein sehr großer Hügel, zu bezwingen haben, schnaufen wir gen Himmel. Manchmal verläuft die Tour etwas im Zick-Zack, denn Myiarden von Bienen meinen, genau auf dem Weg ihre Erdlöcher zu bauen. Teilweise sind wir gespurtet, um dem Unvorstellbarem zu entfliehen. Heil oben angekommen, ging's jetzt eigentlich nur noch bergab und am See entlang zum Arch.

Eigentlich, denn uneigentlich wird die stachlige Natur jetzt so dicht, dass es nicht nur keinen Weg mehr gibt, sondern eine Machete notwendig wäre, um voranzukommen. Das kommt davon, wenn man die Wanderungen am PC plant, dort wo es keinen Trail gibt, sich an den Höhenlinien orientiert und keine Ahnung davon hat, was die Natur dazu meint. Das geschulte Auge schweift über die Landschaft und macht zwei Alternativen ausfindig. Also entweder links runter und in den Bergen zum See, respektive Fluss absteigen oder rechts runter und gleich am Fluss entlang wandern. Als der Blick in Richtung Felsen schweift kommt John Wayne hoch zu Ross aus dem Nirgendwo. Gut, es war nicht der John, sondern der wie auch immer, aber es macht Eindruck, als er sich lässig auf dem Rücken seines Pferdes gibt und auf uns zureitet. Der Mann kennt sich aus, also her damit. Ohne Zweifel, so führt er aus, geht am Fluss unten ein Weg. Ja wunderbar, aber einen Ami nach etwas fragen, gleicht in der Regel einem Lotteriespiel.

Wir bedanken und artig, gehen abwärts und trauen unseren Augen nicht. Der Bursche reitet doch glatt an die Kante und beginnt das Ufer abzusuchen, ruft uns zu, dass das Wasser wohl ein bisschen hoch sei und war von dannen (1. Buch Mose, 26:22). Vollpfosten, sehr hilfreich. Von einem Weg weit und breit nichts zu sehen, das Wasser roch wie in Großlappen, einer Kläranlage im Norden Münchens, und wir stehen unverrichteter Dinge da.

Als wir nach zwei Stunden wieder im Auto sitzen, fahren wir am Fluß entlang und versuchen vom gegenüberliegenden Ufer aus den Arch zumindest zu lokalisieren. Aber nachdem es fast eine Meile bis zum Arch ist, reicht das Augenlicht bei weitem nicht aus. Wir schauen uns noch den Saguaro Lake an und nachdem heute Samstag ist und die Menschenmassen inzwischen auf auf den Beinen sind, machen wir uns aus dem Staub.

Wir versuchen unser Glück erneut und brechen auf zum Horseeye Arch. Auch hier geht alles wieder gut los. Parkplatz, Trail, nur da, wo unser GPS den Arch anzeigt, da war er leider nicht. Wir irren noch ein wenig rum und vergleichen dann die GPS-Daten der Elektronik mit den manuellen Angaben auf Papier. Da hat Du nicht sauber gearbeitet mein Freund, zurück und ab ins Auto und zum richtigen Trailhead. Ja, wir haben ihn auch ohne GPS gefunden, den Start zumindest. Leider müssen wir erkennen, dass der Steinbogen rund 4,5 Meilen von uns weit hinten in den Berge liegt. Schicksal oder Vorhersehung? Der Körper ist von den letzten Hikes doch ein bisschen müde und so ärgerlich der Tag auch verlaufen ist, wir machen einfach eine Pause.

Und die beginnt mittags im McDonalds. Frustessen! War gut. Nachdem aller guten Dinge drei sind, meldet sich mein Reise-PC, dass er eine illegale Windows-Kopie berherbergt. So ein Schmarrn, ich habe zwar vor der Urlaub auf eine andere Version umgestellt, aber Bill Gates hat die Installation fehlerfrei genehmigt. Workaround gefunden, aber nun sitzt uns auch noch ein technisches Problem im Nacken. Ich hab mir vorsichtshalber noch eine große Speicherkarte gekauft, falls die Fotos nicht mehr gesichert werden könnten. Eine Lösung für die GPS-Routen haben ich nicht gefunden, nur, dass alte Routen sofort gelöscht werden, um, solange das Teil funktioniert, neue Routen auf das Handgerät zu überspielen. Letzte Meldung: Bis zum Urlaubende alles im Griff!

Den Rest des Nachmittags hätten wir gerne am Pool verbracht, aber die wenigen Schattenplätze waren natürlich schon weg. Gott sei Dank haben wir einen schönen, großen Balkon. Aperitif an der Hotelbar, Abendessen beim Mexikaner im Clarion Hotel, ein paar Meter weiter. Alles wird gut!

Sonntag

Das Auschecken wird spannend, und als die Rechnung über den Tresen wandert, wen wundert's, steht natürlich die volle Summe des Abendessens drauf. Wer kennt noch das HB-Männchen? Völlig fassungslos standen da zwei Menschen hinter der Rezeption und ich war über mich selbst erstaunt, dass die englischen Worte offensichtlich alles ausdrückten, was mein Körper so fühlte. Die Rechnung wurde korrigiert, die Leute waren ein bisschen pikiert, aber das war mir sowas von egal.

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Sonntag

Das Auschecken wird spannend, und als die Rechnung über den Tresen wandert, wen wundert's, steht natürlich die volle Summe des Abendessens drauf. Wer kennt noch das HB-Männchen? Völlig fassungslos standen da zwei Menschen hinter der Rezeption und ich war über mich selbst erstaunt, dass die englischen Worte offensichtlich alles ausdrückten, was mein Körper so fühlte. Die Rechnung wurde korrigiert, die Leute waren ein bisschen pikiert, aber das war mir sowas von egal.

7.30 Uhr Abfahrt! Der Tag beginnt mit Dennys, die Tonto Natural Bridge wartet. Die Highway 87 hat tolle Kurven. Ein Genuß für jeden Motorradfahrer. Nur nicht für die amerikanischen Biker, denn die können in der Regel nicht Kurven fahren und halten die Autos auf. Auch diesbezüglich ist die USA einzigartig. Ich kenne kein Land der Erde, wo Autos die Mopeds überholen.

Die Landschaft ist schön und typisch. Eingerahmt von Bergen, die aussehen, als ob sie mit Pfeilen der Indianer beschossen wurden - ein Saguaro steht neben dem anderen -, windet sich der Teer. Er scheint fast den Halt zu verlieren, als es wie in den großen Alpen hinunter zum Tonto Natural Bridge State Park geht. 5 Dollar kostet der Spaß, aber er ist es wert.

tonto_natural_bridge_03.jpg

Einige Viewpoints eröffnen bereits erstaunliche Blicke auf die gewaltige Naturbrücke und der Gowan Trail führt kurz, aber heftig bergab. An der südwestlichen Öffnung spritzt das Wasser in die Schlucht und unten angekommen, staunt man vor dem riesigen Loch nicht schlecht. Wir gehen hinein in die überdimensionale Kathedrale. Die nassen und damit sehr schlüpflrigen Steine verursachen die ersten blauen Flecken. Aber es ist toll hier! So eine große Brücke haben selbst wir noch nicht gesehen. Manchmal übertrifft die Wirklichkeit die Vorstellung.

Als wir an der Zufahrt zum nächsten Ziel, dem Willow Valley Arch, stehen, schickt uns das GPS auf eine vierstellige Forest Road. Und nach kurzer Zeit merkt man ihr die vier Stellen an. Nun gut, eine Hauptstraße haben wir nicht erwartet, aber dass unser Mitsubishi plötzlich mitten im Wald steht, das war dann doch zuviel. Karte studiert und an der nächsten Forststraße die Flucht zum Asphalt angetreten. Wieder Karte studiert und die CR 3 entdeckt, die wiederum eine Abzweigung zu einer sehr vernünftigen Waldstraße hat. NF196 und 122a, die Richtung stimmt! Die letzten Meilen waren dann aber nicht vom Feinsten, aber unser Wagen krabbelt über Wurzel und Steine wunderbar. Wir kommen bis zum Trailhead, der an einem umgefallenen Baum, der quer über den Weg liegt, beginnt. Straße wird zum Weg, sozusagen. Der Trail ist sogar markiert und so sind wir in 20 Minuten im Willow Valley, das eigentlich kein Tal, sondern ein ausgewachsener Canyon ist.

willow_valley_arch_04.jpg

Der Willow Valley Arch, streng genommen ist es ja eine Brücke, erinnert mich an den Steinbogen im Maple Canyon, den wir letztes Jahr auf unserem Weg nach Salt Lake City besucht haben. Er thront oben am Canyonrand. Poison Ivy, die tötliche Umarmung, soll hier wachsen. Ich habe auf meinem Buschtrail, um ein paar andere Perspektiven für die Fotos zu erarbeiten, keinen gesehen. Liegt wohl daran, dass ich gar nicht weiß, wie der aussieht bzw könnte ich ihn ohne Brille eh nicht identifizieren. Habe es überlebt und die Freude über den schönen Steinbogen hätte sowieso sämtliches Gift aus meinem Körper verbannt. Monika wollte doch tatsächlich Abstand halten, geht aber nicht, denn die Track-Aufzeichnung muss unter den Arch führen. Doch klar, oder?

Schön, dass es heute so gut geklappt hat mit den zwei kurzen Hikes und tollen Zielen. Mit diesem Gefühl checken wir in Gallup im Hampton Inn ein. Wir haben heute noch eine Stunde verloren, aber das wird die nächsten Wochen nun unsere Zeit sein. Einen kleinen Fußmarsch entfernt gibt es ein Applebees, - das Essen war erstaunlich gut. In der Nacht stört uns nur noch der Zug, den man bei offenen Fester deutlich wahrnimmt. Warum müssen die eigentlich immer hupen?

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... Warum müssen die eigentlich immer hupen?

vor jedem Bahnuebergang muessen sie hupen ... :police:

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Montag

Das Frühstück im Hotel war echt ok. Frischer Obstsalat und Eier mit Bacon, was will man mehr. Da ist für die Alternativen und die Bodenständigen alles dabei. Es ist bewölkt und nicht mehr so warm. 50% der Zehrer's brauchen eine lange Hikerhose. Kindergeburtstag!

Auf zu den White Cliffs. Die Anfahrt erschien nicht schwierig, als wir aber vor Ort waren, war kein Durchkommen. Nicht die Straßenverhältnisse waren das Problem, sondern das GPS führte uns mitten in den Vorgarten eines Indianers. Gut, dass der noch geschlafen hat. Wir haben dann mehrere Varianten probiert, aber immer wieder waren wir von bellenden Hunden umgeben und fanden keinen Weg zu den Cliffs. Auch gut, wir haben ja heute noch einiges vor.

Als wir uns auf der 566 Richtung Norden bewegen, kommen rechts neben der Straße bereits gigantische Hoodoos, eigentlich waren es ausgewachsene Steinsäulen, in Sicht. Die lassen wir mal da liegen und fahren weiter zur Bia 11. Mein rechtes Auge nimmt ganz kurz etwas war, was nach eine Detour-Schild aussah. Keine Ahnung, warum es nicht bis in mein Hirn gelangt ist. Auf alle Fälle stehen wir jetzt an der Kreuzung, wollen abbiegen, und siehe da, die Straße war gesperrt. Rund 100 Meter weiter Brückenarbeiten. Es ist zwar niemand zu sehen, was ja in den USA nicht so unüblich ist, und man könnte locker irgendwie rüber. Aber die Sperre war wasserdicht, so dass wir uns nicht durchdrängen können. Also zurück und da war es wieder, das Detour-Schild. Ok, es geht ungeteert weiter, aber die Indianer haben so ein Tempo drauf, da habe ich mich nicht lumpen lassen.

pinedale_hoodoos_05.jpg

Ein durchaus lesbares Schild markiert den Abzweig zur 2nd Canyon Road. Blicker und rein! Links oben sind bereits nach kurzer Fahrt die ersten Hoodoos zu sehen. In Gruppen stehen sie da und natürlich haben wir eine Auswahl getroffen und natürlich war da ein Arch dabei. Wir steigen auf und klettern durch die Steinsäulen. Schön sind sie und gewaltig. Die Sonne hat inzwischen ein bisschen Wärme ins Land gebracht und so geniesen wir Hoodoos und Aussicht. Nach der dritten Gruppe reicht's und wir nehmen erneut Fahrt auf.

Als wir wieder zurück auf der 566 sind, kommen die Gallup Hoodoos wieder in Sicht. U-Turn und rein in die Prärie. Das hätte ich mir lieber vorher überlegt. Auf dieser kurzen Dirt-Road ist wohl schon lange keiner mehr gefahren. Es knirscht und kratzt an den Seitenwänden des Mitsubishis und ich hoffe, dass der südkoreanische Lackierer seine Arbeit ordentlich verrichtet hat. Ok, jetzt stehe ich mal 100 Meter im Nirwana und packe den Foto aus. Rosa und weiß sind die hervorstechenden Farben dieser gewaltigen Steinsäulen. Das Auto wenden ist nicht drin und die Kratzgeräusche treffen nun erneut von der anderen Richtung auf meine empfindlichen Ohren. Vor der Ausfahrt eine verdiente Zigarette, den Finger mit Spucke benetzt und über die Kratzspuren gefahren. Der Lack hat gehalten. Und jetzt sagt noch einer, dass sie in Südkorea keine guten Autos bauen.

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Der Windows Rock ist ein gewaltiger Steinbogen im gleichnamigen Ort. Ein Indianerheiligtum, das touristisch angehaucht, eingezäunt und in Szene gesetzt ist. Aber schön ist er schon, der Arch; und riesengroß! Wir umrunden den Gedächtnisplatz oder was immer es darstellen soll, und betrachten das Loch. Ich denke mir dabei, dass die Euphorie wesentlich größer gewesen wäre, wenn wir vorher einen 10-Milen-Hike hätten machen müssen, um dieses Teil zu sehen. Also zum Fazit: Wenn man schon vorbei kommt, sollte man auch hinfahren.

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Wir pfeifen weiter nach Norden auf der 12er und kommen an grandiosen Felsformationen vorbei. Nicht nur der Red Lake ist feuerrot. Und plötzlich, mittendrin, ein grünlich schimmernder Berg. Er gibt das Signal zum Abbiegen, immer die N31 entlang, bis die Venus Needle in Sicht kommt. Zapfen ist in Bayern der Ausdruck für einen Berg, der in der Regel schlank geformt nach oben zeigt. Ein gewaltiger Zapfen, diese Needle, - man kommt sich ziemlich klein und verloren daneben vor. Als wir rund eine Meile wieder zurück auf den Teer fahren, parken wir unser Auto rechts neben der Straße, wechseln die Flip-Flops mit den Wanderschuhen und machen uns auf zur Cleopatra's Needle. Relativ unspektakulär geht es an einer Felswand entlang, hinunter und hinauf, als eine Wash im Weg liegt, und dann zur Nadel. Sie ist kleiner und grazieler als ihre Nachbarin. Den Rückweg versuchen wir abzukürzen und treffen alsbald auf die Teerstraße. Das Vorankommen ist hier natürlich einfacher, ob es aber kürzer ist, weiß nur der liebe Gott.

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Die N 12 ist wirklich eine landschaftlich reizvolle und abwechslungsreiche Strecke. Ich wiederhole mich hier gerne. Leider ist es sehr windig inzwischen. Das fing gestern schon an, als der Jetstream meinte, die Gegend um Gallup zu überfliegen. Die Wolken sind da, aber immer noch ziemlich vereinzelt am Himmel zu sehen.

Unser letztes Ziel für heute haben wir schon 2006 besucht. Der Hope Arch ist einer der schönsten Steinbögen, die ich kenne und nachdem wir vor 5 Jahren hier bei Chinle nur durchgefahren sind, was natürlich heißt, dass der Arch um die Mittagszeit herum besucht wurde, haben wir uns heuer eine Übernachtung im Nobelort gegönnt. Wir versuchen es zurerst über die uns bekannte Zufahrt, aber die war inzwischen so mit Sand zugeweht, dass an ein Durchkommen nicht zu denken ist. Der Sand pfeift nur so über die Ebenen und Chinle ist in Staub gehüllt.

Ich erinnere mich an Beschreibungen, die irgendwie proklamierten, dass am Krankenhaus vorbei eine sehr breite Dirt Road zum Ziel führt. Also erst mal das Krankenhaus suchen, was ja in so einem Kuhnest nicht so schwierig ist. Wir fahren mitten durch die Notaufnahme, na gut, es war nur der Parkplatz davon, hinten wieder raus und die breiteste Dirt-Road genommen, die in Richtung des GPS-Signals führt. Es war dann wirklich kinderleicht. Diese Autobahn führt ziemlich nah an den Arch. Noch eine kleine Offroad-Fahrt und wir stehen wieder exakt an dem Punkt, an dem wir vor Jahren schon geparkt haben. Es sind nur noch 0,3 Meilen bis zum Steinbogen.

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Er ist einfach unbeschreiblich schön. Die Herzform, gebildet von feuerroten Felsen, gezeichnet mit weißen Streifen und obwohl wir keine Fans des FC Bayern sind, diese Farbkombination ist in der Natur einfach herrlich. Die Sonne beginnt sich langsam zu verabschieden und der Schatten ergreift den Arch von Minute zu Minute mehr. Es ist Zeit, den Magen zu füllen und das indianergeführte Lokal des Best Western Canyon de Chelly zu stürmen; selbstverständlich erst nach dem Duschen. Ich finde es ja eigentlich amüsant, ein besseres Wort dafür fällt mir nicht ein, wenn sie das offensichtlich vorhandene Alkoholproblem so vieler Indianer dadurch lösen wollen, indem sie in den Lokalen keinen Alkohol ausschenken. Wir haben trotzdem gut geschlafen!

Fortsetzung folgt ... Ein bisschen wird die Fortsetzung dauern, denn - nachdem die Bilder online sind [siehe Updates!] - werden die Wanderungen vorrangig bearbeitet. Den Fortschritt könnt Ihr gut über die "Updates" verfolgen!

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Dienstag

Die Navajos haben hier keine Sommerzeit und so ist es schon 9 Uhr, als wir unser Auto gepackt haben und losdüsen. Es ist frisch und bewölkt, kein Wunder, der Jetstream hat sogar Phoenix und Las Vegas Kälte beschert. Als wir auf der N 13 nach Osten fahren, wird es gebirgig. Die roten Felsen strahlen in der Sonne und die grünen Sträucher und Bäume bilden einen schönen Kontrast. Die Straße führt einen Paß hinauf und die Automatik muss der Gangschaltung weichen. Oben angekommen, schlägt das GPS an und möchte, dass wir links auf eine Dirtroad abbiegen. Auf die Technik ist Verlass, gleichwohl, als die Straße dermaßen ins Nirgendwo führt, haben wir die Karte zu Hilfe genommen. Irgendwo am Big Lake stehend, beschließen wir die Umkehr. Und das war die richtige Maßnahme. Das Navi hat zwar die kürzeste Strecke ausgewählt, also kein Vorwurf, aber schneller geht es anders. Und irgendwann sind wir dann auf der Bia 33, die uns zur Dirt Road führt, die wir brauchen.

Schräglage! Die kleinen Knochen in meinem Ohr sigalisieren Gefahr. Schluß mit lustig, ich will nicht auf dem Kopf landen. Und so steht unser Auto mitten in den Büschen im Indianergebiet. Pfeil und Bogen sind nicht in Sicht, aber leere Patronenhülsen signalisieren nichts Gutes. Irgendwie habe ich in solchen Situationen immer ein ungutes Gefühl. Man weiß ja nie, wer in welchem Zustand hier vorbei kommt. Egal, das nächste Ziel ist es erneut wert, auf Navajo-Land zu parken. Wir wandern zum Royal Arch.

Querfeldein, immer dem lieben Gott entgegen, winden wir uns im Zick-Zack nach oben. Loser Fels erschwert das Vorankommen, Hände werden zuhilfe genommen, der Schweiß fliest in Strömen. Eine Flash-Flood lösen wir nicht aus, aber als wir nach einer 3/4 Stunde oben am Arch stehen, sind wir pitschnass.

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Es ist unbeschreiblich hier. Der majestätische Steinbogen ist eine Wucht, riesig und wunderschön. Und die Aussicht auf das darunter liegende Indianerland ist wahrlich königlich. Wir staunen und genießen, ich hetze nach Perspektiven für Fotos und gönne mir vor dem Abstieg eine atem(be)raubende Zigarette. Nach 30 Minuten sind wir wieder am Auto. Es ist unbeschädigt, Häuptlich Silberlocke hat es nicht entdeckt. Aus wir dem Dickicht weiter entkommen, richtet sich der Blick immer wieder zurück auf diesen königlichen Arch.

Unser Weg führt uns nach Osten. New Mexico und der Shiprock kommen in Sicht. Dieser Felsen fasziniert uns immer wieder und auch heuer haben wir uns zum x-ten Mal vorgenommen, in der Abenddämmerung die Mystik dieses Felsens einzufangen. Aber noch steht die Sonne hoch am Himmel und wir besuchen nicht unweit des Ship Rocks den gleichnamigen Arch Cluster. Diese Ansammlung von kleinen Löchern befindet sich ein einer kleinen Wand, die zum Ship Rock führt. Direkt neben der Straße (Bia 13) parken wir und bewundern Rock und Arche.

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Es ist noch nicht genug für heute. Einer geht noch! Der Boundery Butte Arch kommt näher, als wir uns vom Teer auf der 160er verabschieden. Es geht weiter gut voran und wir überfahren mitten in der Prärie, nein, es ist Wüste, die Staatsgrenze von Arizona nach Utah. Die Dirtroad ist in gutem Zustand. Als wir eine gute Perspektive zum Fotografieren erkennen, wechseln wir die Pferde. Es ist nur gut eine viertel Stunde querfeldein. Die Orientierung ist kinderleicht, da der gewaltige Steinbogen auf einem in der Ebene stehenden Felsen wie ein Leuchtturm thront. Natürlich steigen wir auf, denn das Loch muss ja von vorne und von hinten begutachtet werden. Just in dem Moment, als ich den Arch durchsteige, gefriert mir trotz der immensen Hitze das Blut in den Adern. Zwei Meter vor mir, machte sich eine Riesen-Eule auf den Weg, denn sie erschrickt genau so wie wir. Es ist der schriftstellerischen Freiheit zu verdanken, dass ich jetzt mal behaupte, die hat mich berührt. Auf alle Fälle war ich ganz schön fertig und das lag nicht am Aufstieg.

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Auf dem Weg nach Farmington sehen wir die hohen Berge der Rockies am Horizont, auf denen noch mächtig viel Schnee liegt. Die Sonne verabschiedet sich und wir sitzen an der Bar im Marriott Courtyard, trinken ein Bier und denken an viele königlichen Ziele, die wir heute erreicht haben.

Fortsetzung folgt ... Ein bisschen wird die Fortsetzung dauern, denn - nachdem die Bilder online sind [siehe Updates!] - werden die Wanderungen vorrangig bearbeitet. Den Fortschritt könnt Ihr gut über die "Updates" verfolgen!

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Mittwoch

Für die nächsten drei Tage sind immer wieder Schauer angesagt. Während des Frühstücks sieht es aber noch ganz gut aus. Ein paar Wolken, ja, aber das Blau des Himmels ist noch deutlich erkennbar. Auf zur Snake Bridge!

Als wir auf der 491 Richtung Sanostee unterwegs sind, tröpfelt das Nass bereits auf unser Auto. In den Bergen ist Dunkelgrau die vorherrschende Farbe. Die Dirtroad zum Trailhead ist noch ok, aber als die Höhenunterschiede drastischer werden, beschließen wir, das Auto in eine Wiese zu stellen. Das Problem ist, dass wir bei stärker werdendem Regen nicht mehr den Berg hinaufkommen würden. Und hier im Indianergebiet im Auto zu übernachten erscheint schrecklicher, als eine Meile länger zu hiken. Wir wollen auch in diesem Fall den Karren noch sicher auf den Teer bringen.

Immer wieder richtet sich der Blick gen Himmel, als wir eine Wash entlang, immer tiefer in die Berge wandern. Und als das Gesicht vom Regen nässer ist als vom Schweiß, kommt ein sehr ungutes Gefühl auf. Gut, die Wash ist ziemlich breit und ich habe mehrere Plätze ausgemacht, auf die wir uns im Falle einer Flut retten könnten. Aber es gibt angenehmere Dinge, als beim Wandern den Notfall zu planen. Es wird zudem immer kälter und der durchsichtige Regen wird weißer und weißer. Und dann passiert auch noch, was einem erfahrenen Hiker nicht passieren sollte. Wir sind nach gut zwei Stunden des Weges oben auf einer Mesa. Die Brücke liegt nur noch einen halben Kilometer weg, aber leider unter uns im Canyon. An einen Abstieg hier ist nicht zu denken. Wenn wir die Karte vernünftig studiert und uns nicht nur am GPS orientiert hätten, wäre klar, dass die Snake Bridge direkt an einem Fluß liegt. Fluß ist tiefer, gell!

Zurück in die Wash, - wir beenden den Umweg von 1,6 Meilen. Der Wasserstand hat zugenommen, aber die notwendigen Überquerungen sind noch gut machbar. Es trommelt inzwischen, denn es hagelt. Die Kapuzen der Regenjacke tief ins Gesicht gezogen tagt der Familienrat. Jetzt sind wir aber schon so weit, dass die Aufgabe des Vorhabens zwar vernünftig wäre, aber nicht in Frage kommt. Wie gesagt, die Gefahren scheinen noch kalkulierbar. Nach knapp drei Stunden stehen wir an der Snake Bridge. Sie ist, nachdem die NABS viele chinesische Arche vermessen haben, inzwischen "nur" noch die Nummer 14 der größten Arche der Welt.

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Die nächste Überraschung wartet, denn mein Rucksack ist zum Wassertank mutiert. Der Plastiküberzug weilt in München, denn ich nehme das Teil immer zum Moped fahren für den Tankrucksack. Da liegt er jetzt sicher friedlich und warm eingepackt im Keller und denkt an uns Deppen, wie wir ..., Ruhe! Gut, dass ich den Foto immer in einer Plastiktüte eingewickelt habe. Der Metzger vom Marienplatz hätte seine höchste Freude, wenn er wüsste, wo seine Tüten rumgeistern. Die Tüte hat aber ein großes Loch, na bravo, der Foto ist klitschnaß. Ich versuche trotz starkem Regen ein paar Aufnahmen hinzubekommen. Die Bildvorschau läßt nichts Gutes erahnen. Querformatige Bilder werden im Hochformat angezeigt. Die Elektonik spinnt! Wir werden sehen, ob sich die Canon wieder erholt. Wir sind auf alle Fälle durchgefroren, nass bis auf die Haut und selbst diese gigantische Brücke kann unsere Stimmung nicht ins Euphorische heben. Nach einer viertel Stunde brechen wir wieder auf. Schnell, schneller, schneller, - wir wollen warm werden und der zunehmende Wasserstand treibt ausserdem zur Eile. Als die Wash den Bergen den Rücken zuwendet, wird das Wetter wieder besser. Kein Regen mehr! Und als wir am Auto sind, ist alles wieder trocken. Aber unsere Stiefel, jetzt sind es Stöckelschuhe, waren nicht mehr vom Lehm zu befreien.

Jetzt heißt es nur noch, den Teer ohne Unfall zu erreichen. Aber selbst bei der kleinsten Steigung stellt sich der Mitsubishi quer. Es prasselt unter den Pneus, der Lehm frisst sich in das Profil und in den Radkasten. Als wir den Teer dann doch ohne Unfall erreichen und das Adrenalin abgebaut ist, merken wir, wie uns friert. Heizung, und zwar volle Pulle, bis wir rot im Gesicht werden. Das tut gut! Ein Blick zurück zeigt, dass es in den Bergen noch dunkler geworden ist und wir sind froh, dass wir uns wieder auf sicherem Terrain bewegen. Der Abenteuerurlaub im Indianergebiet geht zu Ende.

Kurz vor Farmington steuern wir eine Waschanlage an. Unser Auto muss vom Lehm befreit werden, denn ansonsten wird das Zeugs so hart, dass man es selbst mit einem Hochdruckreiniger kaum entfernen kann. Als wir am Abend gemütlich im Restaurant sitzen, geht es uns wieder gut. Auch die Kamera funktioniert wieder, so dass bleibende Schäden in Folge gänzlich ausbleiben.

Fortsetzung folgt ... Nachdem die Bilder bereits online sind [siehe Updates] - werden sukzessiv und parallel zu diesem Bericht die Wanderungen erstellt. Den Fortschritt könnt Ihr gut über die "Updates" verfolgen!

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Donnerstag

Die Zahl der Nacht ist 7,04 und wer jetzt denkt, dass die Zehrer's wohl gestern etwas abbekommen haben, dem sei gesagt, dass wir auf diese Zahl sehr lange gewartet haben. Neugierig, hilft nix, Insiderwissen ist ab und zu notwendig.

Das Frühstück gibt es heute im Wal Mart, richtig ekelhaft. Als wir um 8.30 Uhr wieder Fahrt aufnehmen, hat es 49 Grad Fahrenheit. Sommer in New Mexico ist was Schönes! Aber, hört, hört, es regnet nicht. Glückskinder! Und so bleibt das Auto auf der IR 7500 mitten auf der Straße. Beschleunigen und zack! Wir sind an der De-na-zin-Wilderness, eines der vielen Badlands im San Juan Basin.

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Hoodoos und Farbenspiele, ein helles Grün mischt sich mit schwarz und weiß. Gelbe Flecken unterbrechen rotbemalte Steinsäulen. Hoodoos wachen über das Tal und ausgeschwemmte Gipsschichten sehen aus wie Saurier-Skelette. Wir wandern durch das schlechte Land, das tief von eng stehenden Erosionen zerschnitten ist. Auf den lehmigen Hügeln kommen wir nur schwer voran. Die Pampe ist feucht und unsere Wanderschuhe scheinen wie ein Magnet darauf zu reagieren. So wird es die gut 4,5 Meilen ab und zu sehr anstrengend. Als wir an der Nordseite kehrt machen, dauert es eine gefühlte Ewigkeit, bis wir einen Abstieg finden. War ein netter Spaziergang, aber ehrlich gesagt, können die De-na-zin mit den Bistis nicht mithalten. Subjektiv, keine Frage!

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Das Tagebuch vermerkt ergänzend: Es ziehen dicke, dunkle Wolken auf, es bleibt aber trocken. Nur der Wind ist furchtbar kalt, man könnte echt Handschuhe vertragen. Zitat Ende.

Wir fahren weiter zum Talus Arch und als wir nach 122 Meilen auf der NM 96 sind, hat es noch 34 Grad und Schneefall. Auf einer Höhe von 7.700 Fuß Schneesturm vom Feinsten, Zigarettenpausen sind nicht mehr drin. Als wir am Arch ankommen wird klar, dass er sich nicht wie vermutet direkt an der Straße, sondern etwas im Hinterland befinden. Ok, wären nur ein paar Meter gewesen, aber wir beschließen im warmen Auto zu bleiben und auch unseren Wanderschuhen diese Wärme zu gönnen.

In Los Alamos regnet es und unser Hike zum Phoenix Arch fällt buchstäblich ins Wasser. Wir beschließen um 15.30 Uhr die direkte Fahrt in die Zivilisation. Santa Fé ruft. Die Empfehlung des Tages lautet: 315 Restaurant and Wine Bar am Santa Fé Trail. Ein Nachbartisch von hiesigen Frauen beschwert sich lautstark, dass sie die verstaute Winterkleidung wieder hervorholen mussten.

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Freitag

Da stehe ich nun, ein Parkplatz mitten im Kuhnest Espanola, und rauche friedlich eine Zigarette, bevor wir zum Trailhead unserer nächsten Wanderung aufbrechen. Monika bleibt im Auto sitzen und beschwert sich zu Recht über mein Geschick, wirklich die hässlichsten Plätze des Planeten für Pausen zu finden. Außerdem ist es ihr noch zu kalt. Weil man ja in diesen Situationen nicht viel mehr zu tun hat, als an der Zigarette zu ziehen, umrunde ich immer unser Auto, um nach dem Rechten zu sehen. Und obwohl ich weitsichtig bin, entdecke ich im linken Hinterreifen einen Nagel. Mist, der steckt wohl schon länger und sehr tief im Gummi, denn er ist bis zum Profil abgefahren. In diesen Dörfern gibt es nichts, ausser viele, viele Autowerkstätten. Der Erste hat sich auf Auspuffe spezialisiert, aber er weiß, wo ein Reifenspezialist ist. Es sind nur ein paar hundert Meter. Rein in die Werkstatt und auf den Mann eingeredet. Mit Gestik versucht er mir begreiflich zu machen, dass er kein Englisch spricht. Ich winke und führe ihn zu meinem Reifen und dann wird er unternehmerisch, denn er wollte ihn gleich austauschen. Nein, nein mein Freund, erst eine Zange, dann rausziehen und warten, ob es zischt. Cheffe parkt vor der Werkstatt, komische Situation, und wird sogleich von meinem mexikanischen Freund hinzugezogen. Das Wort für Zange fällt mir nicht ein, aber zwei Minuten später hatte ich eine in der Hand. Jetzt musst du ganz mutig sein. Everything is ok, 5 USD Trinkgeld, und nix wie weg!

Je näher wir den Bergen kommen, um so dunkler wird die Angelegenheit. Na toll, jetzt tröpfelt es schon. Aber als wir das Auto neben der 85er parken, scheint die Sonne. Aber ein anderes Geräusch klingt alles andere als vertrauenswürdig. Wir stehen unter einer Stromleitung und dort oben schlagen die Funken nur so herum. Der Abstand zwischen Auto und Leitung wird vergrößert und dann rein in die Wanderschuhe.

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Der Trail führt uns in die Arroyo de las Lemitas Wash, ist das nicht ein cooler Name. 1,4 Meilen sind wir unterwegs, das Wetter hält, und endlich können wir das sandige Flußbett verlassen. Ein alte Dirtroad wird unser Guide. Eine kleine Steigung und dann schlendern wir sozusagen immer an den Rücken der zahllosen Hügeln entlang. Sehr angenehm und schön. 3 Meilen sind vorbei und das Fenster kommt in Sicht. Mitten in den Hügeln eine Felsenwand in der an höchster Stelle das Lemitas Window steht. Nach 4,2 Meilen haben wir den Arch erreicht. Nachdem der Felsen sehr exponiert in der Landschaft steht, ist der Rundblick atemberaubend. Dieses Window ist echt super, aus braunen, zerklüfteten Felsen mit einer herrlichen Aussicht auf die Ebene und die dahinter liegenden Berge. Hier würde man keinen Steinbogen vermuten, denn das Umland sind ausschließlich sandige Hügel. Nur diese eine Ridge, in der das Fenster entstanden ist. Wir lieben es: Eine schöne Wanderung, keine Menschen zu sehen und ein tolles Motiv. Als wir nach 8,5 Meilen wieder am Auto stehen ist der Eistee noch sehr kalt und die Stromleitung pritzelt weiter vor sich hin, ohne Schaden anzurichten.

Auf der Rückfahrt kommen uns hunderte von Harleys entgegen. Die Polizei sperrt alles ab, damit die Burschen und Mädels ja nicht bremsen müssen. Es donnert gewaltig und das ist schon ein toller Sound. Aber mit Moped fahren hat das nichts zu tun. Egal, - wir bremsen nur für Hoodoos und so stoppen wir kurz am sogenannten Camel Rock. Ganz nett und wenn man schon vorbei kommt, dann sollte man ihn ansehen. Übrigens, liebe Monika, ist das nicht ein toller Platz um eine Pause zu machen?

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Unser Auto steht im Hotel und wir ziehen los, um Santa Fé zu erkunden. Eine nette Kleinstadt, bißchen sehr alternativ angehauchte Einwohner und natürlich viele Touris. Eine alte Bar, ziemlich im Zentrum, nichts wie hinein. Abends sind wir dann im Rio Chama, ein sehr nettes Restaurant, gutes Futter, guter Wein, was will man mehr.

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Das Wort für Zange fällt mir nicht ein...

las tenazas

:xD:

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Samstag

Die Sonne strahlt auf new-mexikanischen Boden. Stechend blauer Himmel begleitet uns nach dem Frühstück in die Rockies. Selbst hier keine Wolke zu sehen. Auf der Interstate 25 führt uns die Straße wieder durch weites, ebenes Land bis Raton. Kurz darauf erreichen wir Colorado und schon kommen erneut die Berge. Wir sind in Trinidad, eine schöne alte Stadt, die aus der Ferne an Durango erinnert. Und obwohl so ein Fahrtag keinerlei körperliche Anstrengung bedeutet, stürmen wir den Burger King.

Die US 160 führt nun ins Grasland. Weit und breit nicht einmal ein Hügel. Eigentlich könnte man bis Chicago sehen, denn gen Osten kommen nur noch die Ebenen in denen die kalte Luft der Rockies auf die warmen Winde der Golf Region trifft. Tornado Alley! Aber hier ist nichts los. Man kann sich nicht vorstellen, dass noch etwas anderes kommt, als flache Steppe. Im Rückspiegel erheben sich die schneebedeckten Rocky Mountains. Kim, eine gottverlassene Ortschaft, in der es nicht einmal eine Tankstelle gibt, dient als Zigaretten-Pause-Lokation. Echt spannend hier, aber Menschen gibt es, wir haben sie nur nicht gesehen.

Nach 300 Meilen sind wir an einer Straße, die wir noch 33 Meilen fahren müssten, um unser nächstes Ziel, den Wisdom Tooth Arch, zu erreicht. Zurück müssen wir auch wieder und als wir so 66 mal 1,609 rechnen, strecken wir die Nase in den Wind und lassen den Steinbogen dort, wo er ist. Kurz vor La Junta bröckelt die Ebene in tiefe Canyons hinab. Es sind nur die Ränder zu erkennen, aber morgen werden wir einen dieser Canyons durchwandern.

La Junta, ein Eisenbahnknotenpunkt, auch wunderbar! Schön, dass wir mal hier Station machen. Die Innenstadt besteht aus Läden, deren Fenster mit Spannplatten vernagelt sind, keine Restaurants, nur Fastfood. Pepperoni Lover im Pizza Hut, dazu ein eiskaltes Sprite, - ein Traum! Am Abend im Hampton Inn, übrigens ein nettes Hotel, erkundige ich mich bei den Hiesigen an der Rezeption nach der Anfahrt für morgen. Man hat mir bestätigt, dass meine Planung stimmt und dies der einzige Weg sei, um den Picketwire Canyon zu bezwingen. Also, bitte merken, denn morgen werden wir dahingehend eine ernüchternde Überraschung erleben.

Sonntag

Als wir kurz nach 8 Uhr von der 109er in die ungeteerte 802 in Richtung Vogel- und Picketwire Canyon einbiegen, sind es noch 17 Meilen bis zum Trailhead. Nur die letzte Meile war etwas ruppig, aber vor Ort stehen bereits Autos und das waren auch PKWs.

Ein gut gekennzeichneter Trail führt vom flachen Land in den Canyon hinunter. Und unten angekommen geht es ohne nennenswerte Höhenunterschiede zügig voran. Es ist schön hier. Wir treffen Mountain-Biker, die wir immer wieder einholen, da sie sich einen Stein nach dem anderen ansehen. Zu guter Letzt haben sie dann noch einen Reifenschaden und wir erarbeiten uns einen massiven Vorsprung. Der Fluß Purgatoire begleitet uns, bringt jedoch keine Kühlung. Von Stunde zu Stunde wird es wärmer.

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Nach knapp vier Meilen stehen wir vor einem alten Friedhof. Die kleine Kapelle ist zerfallen, das Kreuz nur noch teilweise sichtbar. Die Grabsteine sind gut erhalten. Na ja, nicht so unser Ding, aber die Wanderung ist sehr schön und abwechslungsreich. Und dann kommt bald der Hammer. Es geht noch eineinhalb Meilen voran. Wir freuen uns, dass das Ziel in greifbare Nähe rückt und zwei besondere Steinbögen auf uns warten. Und dann passiert's. Unmittelbar vor dem Window Rock, dort, wo vor Jahrtausenden Dinosaurier ihre Spuren hinterlassen haben, stehen Nachweise der modernen menschlichen Zivilisation. Nassgeschwitzt und durchaus erschöpft blicken wir in die Kühlergrills von fünf Autos. Ich glaube ich spinne! Das ist ungefähr so, als wenn du mit letzter Kraft vom letzten Höhenlager am Gipfel des Mount Everest ankommst und oben wird gerade der Kioask aufgemacht, an dem sie Wiener Schnitzel und Bratwurst verkaufen. Oh Mann! Man könnte sich nun auf den Standpunkt stellen, dass man das, was man nicht erwandert hat, auch nicht richtig gesehen hat. Da bin ich aber momentan ganz anderer Meinung.

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Der interessante Window Rock steht auch unmittelbar an der Dirtroad und nachdem ich mit dem Fotografieren fertig war, haben wir uns eine kleine Pause gegönnt und mussten schon wieder darüber lachen. Erstens wollten wir ja wandern und zweitens interessiert sich hier kein Schwein für die Arche. Alle gehen zu den Saurier Tracks und ich wünsche ihnen, dass es sich um Tritte von Kühen handelt, die vor 80 Jahren durch einen frisch betonierten Estrich gewandert sind. Was sagen die Heinis von der Nationalparkverwaltung oft: Nobody knows! Wir ziehen weiter zum Picture Window, ein ebenfalls aus schönem Felsen geformter Bogen. Ich nehme an, dass Lava ist.

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Na ja, wir schauen uns jetzt mal die Kuhtritte an und finden sie ganz nett. Aber ehrlich gesagt kann das alles sein und wenn ich die Abstände zwischen den Spuren sehe, dann sind das vielleicht 50 Zentimeter. Dinosaurier und 50-Zentimeter Schrittmaß? Ok, ich bin jetzt sehr subjektiv und denke noch kurz an die gute Frau an der Rezeption. Es ist unvorstellbar, dass die das nicht wußte. Obwohl, ... Es bleibt zu erwähnen, dass wir in Flußnähe noch einen dritten Steinbogen entdeckt haben. Wir taufen ihn Little Picketwire Arch.

Als wir nach fast 20 Kilometern vor der Steigung zum Canyonausgang stehen, sind wir doch ziemlich am Ende. Der Schweiß fließt in Strömen und nur der Gedanke an das kalte Getränk im Auto sichert das Vorankommen. Nach gut 6 Stunden sind wir zurück. Eine tolle Wanderung, trotz allem, zu zwei wunderbaren Steinbögen.

Wir waren wieder sehr früh im Hotel und bevor wir uns nochmal das Abendessen in diesem Nest antun, entschließen wir uns, lieber 65 Meilen nach Pueblo zu fahren. Die Hoffnung war, dass wir an der Interstate bestimmt ein vernünftiges Restaurant finden. Das Essen im Red Lobster war gut. Es mag ja sein, dass es verrückt ist, zwei Stunden dafür zu fahren. Aber so sind wir halt ;-)

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Montag

Kendall in Kansas ist die erste Lokation, an der wir bei einem USA-West-Urlaub Central Time erreichen. Äcker, Felder, Grasland, einige Fabriken und Futterfarmen mit tausenden von Rindviechern, die stinken wie die Pest. Fast die Hälfte hätten wir schon, aber New York ist noch weit und auch nicht unser Ziel.

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Nach 213 Meilen stehen wir mitten in der Pampa, das Land ist flach wie die Racetrack Playa und mitten drin ein paar Gipszacken. Willkommen bei den Monument Rocks. Selbst bei grellem Mittagslicht strahlt das Weiß mit gelb-braunen Streifen einen Kontrast zum Umland und Himmel aus, es ist unglaublich. Steinsäulen, Löcher und ein riesiger Arch, den man ebenerdig wie eine Tür durchschreiten kann. Einfach toll! In den oberen Etagen hausen hunderte von Schwalben und auf den Fotos sieht es fast so aus, wie wenn Staub auf dem Objektiv ist, wenn sie durch das Bild pfeifen. Im Hintergrund geben die Ölpumpen ihre unverwechselbaren Geräusche ab.

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Mit den Flip-Flops - man ist das schön, mal nicht die Wanderschuhe zu tragen - umrunden wir die weißen Gebilde, inspizieren jeden Zentimeter. Abends oder früh am Morgen wäre es natürlich der Hit, aber wer will schon abseits jeglicher Zivilisation und mangels alternativer Sehenswürdigkeiten hier in der Nähe übernachten? Wir jedenfalls nicht und darum nehmen wir gerne ein paar Meilen mehr in Kauf. Der Besuch hat sich gelohnt.

Nach einigen Meilen erreichen wir die Interstate 70 und es gibt erst einmal eine verdiente Brotzeit im Subway, bevor wir nach Denver durchrauschen. Es sind noch 250 Meilen bis zur Mile-High-City. Kurz vor der Stadt geraten wir in ein Mega-Gewitter. Die schnellste Scheibenwischereinstellung, die der Mitsubishi hergibt, ist zu wenig. Tempo runter! Als wir an einer Tanke stehen, wir der Vorteil klar: Das Auto ist blitz-blank. Waschanlage gespart, aber meine Zigarette brennt irgendwie schlecht.

Eine Blechlawine schiebt sich hinein, wir sind mitten drin, und der andere Stau kriecht uns entgegen. Wo kommen denn die vielen Autos her? Schlange nicht nur auf der Interstate, sondern auch beim Check-in im Curtis. Irgendwas ist los in dieser Stadt. Wir werden es aber nie erfahren, egal.

Der ersten Spaziergang tut gut, nachdem wir nach der langen Fahrt doch etwas viereckig sind. Aber weit war es nicht mehr. Am Larimer Square suchen uns ein Restaurant, das Ocean Prime Denver, und warten in der Bar, bis wir Hunger haben. Prost! Das Essen war ganz gut, aber der Ober war nervig.

Morgen wird ein ruhiger Tag: kein Hike, keine Autofahrt, - die Pause ist seit langem überfällig. Ob wir das überhaupt aushalten? Wir werden sehen.

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Dienstag

Denver wäre ja durchaus eine nette Stadt, die jedoch zwei Nachteile hat. Das Wetter ist oftmals miserabel, da es viel regnet und kalt ist. Und dann wäre noch die zentrale Einkaufsstraße (16th Street Mall) zu nennen, die jedes Jahr mehr von Pennern bevölkert ist. Irgendwie bekommen sie das Problem nicht in den Griff oder sie wollen halt nicht.

Das Curtis ist ein sogenanntes Boutique-Hotel und es gehört zur Gruppe unserer verrückten Paris H.. Stadthotels haben ja so ihren eigenen Charme, um es mal positiv auszudrücken. Einen Stern muss man immer selbst dabei haben, damit das Qualitätssiegel erfülllt ist. Und diese Boutique-Hotels meinen, wenn sie irgendwo in die Ecke eine rote Kommode stellen, dann ist das stylisch und Grund genug horrende Preise zu verlangen. Lange Rede kurzer Sinn, wir haben uns viel mehr von diesem Hotel erwartet.

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Und da stehen wir nun unter der überdachten Hotelanfahrt und blicken auf die Straße, wo immer noch der Regen auf die Fahrbahn pinkelt. Der Blick nach oben verspricht Besserung und so ziehen wir unsere Regenjacken über und es geht los. Als sich auf der 16. Straße die Schleusen des Himmels erneut öffnen, verschwinden wir im Starbucks. Aber kaum haben wir den ersten Schluck Kaffee genossen ertönt ein unüberhörberer Feueralarm. Das gesamte Gebäude wird geräumt. Gegenüber hat ein Geschäft eine Markise und wir stehen darunter. Der Regen hört heute wohl nicht mehr auf und so beschließen wir, das größte Einkaufzentrum in Denver zu finden. Cherry Creek Shopping Center, es war riesig und wir sind fast drei Stunden unterwegs. So geht ein Regentag auch vorbei.

Ein, zwei oder drei Bierchen im HardRock und danach wären wir gerne noch eine Runde auf der 16ten gegangen, aber man wird alle paar Meter von den Pennern angehauen, das macht keinen Spaß. Vor allen Dingen sind sie dann auch noch frech, wenn man ihnen nichts gibt. Das Abendessen im Marlowe war mindestens genauso gut, wie gestern und kostete nur die Hälfte.

Mittwoch

Heading West! Früh morgens tauchen wir in die Rockies ein, die noch leicht verschlafen links und rechts der Interstate 70 gewaltig in die Höhe ragen. Noch ist es trocken und nur leicht bewölkt, aber als wir in Idaho Springs das Auto verlassen, scheinen die kurzen Hosen völlig unangebracht. Das Wildfire, nicht die Naturgewalt, sondern ein Restaurant, bringt die Eier trotzdem zum Kochen.

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Es geht immer weiter hinauf, welch ein Gegensatz zu den Grasslands auf der anderen Seite von Denver. Am Loveland Pass, der immerhin über 11000 Fuß hat, schneit es. Icy Road und wir wollen gar nicht wisssen, wie kalt es draußen ist. Nach 108 Meilen sind wir am Eagles Eye Arch, der direkt neben der Straße auf dem Weg in eine Schlucht, der Eagle River Gorge, steht. Dieser kleine Arch ist nicht besonders schön, aber angeblich berühmt. Tucker Smith hat ihn in einem Gemälde verewigt, das kein Schwein kennt. Wir jedenfalls nicht. Und so ziehen wir weiter Richtung Westen.

Die Felsenlandschaft vor Glenwood Springs wird immer schöner. Hier hat sich der Colorado durchgefressen und einen schmalen, faszinierenden Canyon geschaffen. Am Milemarker 118,5 entdecken wir einen großen Steinbogen. Leider gibt es keinerlei Möglichkeiten anzuhalten. Je weiter wir die hohen Berge hinter uns lassen, desto besser wird das Wetter. Und trotzdem werden uns die Regenfälle der letzten Tage eine fetten Strich durch die Rechnung machen. Wir wollen zur South Shale Ridge, aber bereits bei der Einfahrt in die Dirtroad bei De Beque sieht es nicht gut aus. Und nach knapp 2,5 Meilen stehen wir alles andere als in Fahrtrichtung. Die Reifen sind zu und wir ackern unverrichteter Dinge zurück. Es wir Zeit, dass Sand anstatt Dreck unter die Räder kommt.

Vorbei an gewaltigen und schönen Hoodoos (MM 41 bis 39) erreichen nach Grand Junction die Westeinfahrt des Colorado National Monuments bei Fruita. Wir stellen erneut fest, wie schön es hier ist. Gewaltige rote Felsen, tiefe Canyon und massive Steinsäulen. Der Südwesten hat uns wieder.

Freundlich, jung, aber ahnungslos sitzt das Mädl in ihrem Kassenhäuschen am Eingang des National Monuments. Gute Frau, wir wollen keinen Eintritt zahlen, da wir nur durch das Monument fahren, um uns die Dirtroads in der McInnis Wilderness anschauen. Zwei Gebiete, die McInnis Canyons Conservation Area und die Black Ridge Canyons Wilderness sind ohne Eintritt möglich. Ich weiß das verlässlich, da ich einen Einwohner von Glade Park kenne. Jetzt will sie telefonieren, die Gute. Komm, lass es sein. Ich spende die 10 Dollar und habe auch die nächsten zwei Tage keine Diskussionen darüber.

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Die Straße windet sich durch die roten Schluchten nach oben und ungefähr in der Mitte der Scenic Road, also zwischen Fruita und Grand Junction, zweigt die Black Ridge Road ab. Sie führt nach Glade Park und hinauf zu den Ebenen, die in mehren tiefen Canyons hin zum Colorado ihr Ende finden. Vor Jahren waren wir im Rattlesnake Canyon, aber heuer wird der Mee Canyon zweimal unser Wanderrevier sein. Bereits morgen soll es gewaltig in die Tiefe gehen. Und das wird es auch, versprochen. Es bleibt die Erkenntnis, dass die Dirtroads einwandfrei zu befahren sind.

Die neu gestaltete Main Street in Grand Junction ist für drei Nächte unsere Heimat. Was nicht zu erwarten war ist, dass viele tolle Restaurants das Hikerleben verschönern. Und so führt uns unser erste Weg mal in die Brewery, wo wir einen aus Indien stammenden Apotheker mit seiner südkoreanischen Angestellten an der Bar kennenlernen. Die Geschichten sind ganz interessant und sie empfehlen uns einen Italiener. Essen und Wein waren gut!

Fortsetzung folgt ... Nachdem die Bilder bereits online sind [siehe Updates] - werden sukzessiv und parallel zu diesem Bericht die Wanderungen erstellt. Den Fortschritt könnt Ihr gut über die "Updates" verfolgen!

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Donnerstag

Es gibt keine Fragen, sondern nur ein flinkes Auge auf den Kassenzettel, der hinter der Scheibe klebt. Und schon geht es die Rim Road entlang der roten Felsen und Canyons. Um die Zeit sind nur die Einheimischen unterwegs, so dass an die Einhaltung des Speed-Limits nicht zu denken ist. Es geht zügig voran. Das war so zügig, dass wir erst mal an der Abzweigung zur Black Ridge vorbeigeschossen sind.

Als der feste Untergrund die Reifen verlässt, kommen wir trotzdem gut voran. Die Upper Road, die ja im Sommer gefahren wird, im Gegensatz zur Lower Road, die im Winter geöffnet ist, präsentiert sich in einwandfreiem Zustand. Und so dauert es nur 45 Minuten, bis wir nach gut 7,7 Meilen am Trailhead stehen. Die Sonne scheint und wir sind alleine. Spaßig ist, dass am Parkplatz ein grünes Rennrad eingesprerrt sein Dasein fristet. Die Kette ist bereit etwas angerostet und ich hoffe, dass der Besitzer nicht irgendwo unten im Canyon liegt. Schwarze Gedanken, ich weiß, aber irgendwie war es das Erste, an das ich denken musste.

Der Trail führt auf einer alten Dirtroad die ersten Gefälle hinunter. Moderat und ohne Probleme geht es voran. Zwischen Sträuchern und durch Blumenwiesen erinnert das Ganze an einen gemütlichen Spaziergang in den bayerischen Alpen. Wenn die Blicke jedoch in die Ferne schweifen, sind die mächtigen Canyons der McInnis Wildernis erkennbar. Immer näher rückt die Kante des Mee Canyons. Und als wir just vor diesem Loch stehen, entscheidet Monika ihre Wanderstecken mal stecken zu lassen, um die Hände für die Kletterei frei zu haben. Eine gute Entscheidung.

Abrupt ändert sich das Layout des Hikes. Aus dem gemütlichen Spaziergang wird Bungee-Jumping. Nein, ganz so schlimm ist es nicht, aber man hangelt sich von Absatz zu Absatz. Das erste Highlight droht. Der Trail verengt sich auf ein ungefähr Quadratmeter großes Loch. Ja, schon richtig gelesen, denn nun für der Weg durch den Mee Canyon Trail Arch nach unten. Wir setzen uns in die Höhle und staunen die ringsum senkrecht abfallenden Canyonwände an. Aber es scheint alles noch kalkulierbar. Unter dem Steinbogen ist eine Leiter angebracht, die hilft, einen 2,50-Meter Absatz zu überwinden. Interessante Variante!

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Ein Schutthaufen garantiert, dass auch die nächsten 30 Höhenmeter an einer Wand entlang gut, jedoch etwas rutschend gemeistert werden. Die Käselöcher an der Wand sind zwar interessant, aber unsere ganze Aufmerksamkeit gehört dem Trail, der nun über Boulder hinweg nach unten führt. Bis zum Alcoven ist es jedoch noch weit. Nicht weit an Meilen, aber an Höhenmetern. Es wird nicht einfacher, denn ein Felsgebilde, praktisch zwei Hoodoos, deren Abstand zueinander nicht geeignet ist, um meinen Alabaster-Körper durchzulassen, versperrt den Weg. Stutzend schweifen unsere Blicke 360 Grad, denn momentan können wir es uns nicht vorstellen, dass der Weg über diese "Gipfel" führt. Doch, meine Freunde, hier geht es lang. Hoch oben hat ein führsorglicher Zeitgenosse Steinpyramiden platziert. Ok, let's try it! Schon etwas zitternd überwinden wir diese Hürde. Es mag ja sein, dass das Blut an den Knien echt ist, aber komm, sei tapfer!

Nach eineinhalb Stunden sind wir ungefähr noch 50 Meter über dem Canyonboden. Leider wissen wir, dass uns noch etwas erwartet, nämlich ein kleiner Absatz, der in der einzigen Quelle im Internet als das schwierigste Stück des Hikes beschrieben ist. Wir sind da. Und eigentlich trauen wir unseren Augen nicht. Es sind ungefähr 30 Zentimeter, die der Weg breit ist und diese Stufe hängt auch noch dem Canyonboden entgegen. Und es sind nur vielleicht 50 Zentimeter einsehbar und dann geht es um eine Kurve, deren Ende nur erahnt werden kann. Zefix ist ein bayrischer Fluch, der zum Ausdruck bringt, dass etwas schief läuft bzw. schief gelaufen ist. Grenzerfahrung! Die linke handert mit der rechten Gehirnhälfte und man versucht die Dinge zu objektivieren. Das gelingt immer nur kurzzeitig und ein Anlauf zur Überwindung des Hindernisses endet dann, wenn sich der Verstand zu Wort meldet. Aber der Ehrgeiz will nicht aufhören anzuklopfen. Ich suche nach einer Möglichkeit, unser Seil anzubringen. Leider gibt es nichts, was anschließend das Risiko als kalkulierbar einstufen könnte. Zigarettenpause! Wir erkennen unsere Grenzen. Vor 20 Jahren wären wir einfach gegangen, so zumindest die theoretische Sicht der Dinge. Heute kommen wir selbst nach 20 Minuten der Überlegung zu dem Schluss: Wir lieben das Leben und so soll es noch möglichst lange bleiben. Es ist unfaßbar, denn ein Bild im Internet zeigt einen relativ erfahrenen und schwergewichtigen Mann, wie er da so lässig mit einem Stecken auf diesem Absatz steht. Ziemlich geknickt kehren wir zurück und als wir wieder am Durchstieg des Steinbogens sind, wird der kurzerhand als Highlight des Tages deklariert. Und alles ist gut, - fast. Es war eine schöne, abwechslungsreiche Wanderung und plötzlich spüre ich mein aufgeschürften Knie und Ellenbogen.

Wir sind nun natürlich zu früh und beschließen neue Ziele zu definieren. Zurerst fahren wir mal durch die Ebene bei Glade Park. Ein paar sehr schöne Häuser gäbe es hier, viele stehen zum Verkauf. Selbst hier im Nirgendwo hat die Krise zugeschlagen.

Durchfahrt verboten! Nicht an einer Straße prangt diese Schild. Nein, wir stehen vor dem Thoroughfare Canyon Trail. Das ungewöhnlich Wort trifft es nicht ganz, denn man könnte praktisch den kompletten Canyon 8,5 Meilen durchwandern. Und einen Ausgang gäbe es auch. Aber das ist zuviel für heute. Und so wandern wir den Canyon hinunter bis zu einem großen Brotzeitfelsen. Hier, wo man dem Buschwerk des Canyons entflohen ist, könnte man in der Abendstimmung ein herrliches Essen veranstalten. Ein Apfel tut's aber auch.

Über die Little Park Road fahren wir zurück nach Grand Junction und wundern uns am Ausgang, dass es hier keine Zahlstation gibt. Man könnte also ins Monument ohne Kontrolle, müsste aber dort auch wieder hinaus fahren, um der Prüfung des Tickets bei der Ausfahrt zu entgehen. So was macht man nicht! Zum Abendessen versuchen wir es heute mit der Winery an der Main Street. Sehr empfehlenswert, - und als das zweite Glas Wein den Weg in den Körper findet, wäre der Absatz von heute ein Klacks.

Fortsetzung folgt ... Nachdem die Bilder bereits online sind [siehe Updates] - werden sukzessiv und parallel zu diesem Bericht die Wanderungen erstellt. Den Fortschritt könnt Ihr gut über die "Updates" verfolgen!

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